Hilfsstoffe in Tabletten – ein notwendiges Übel?

Welche Hilfsstoffe werden verwendet und sind diese, in Anbetracht der möglichen Begleiterscheinungen, wirklich notwendig?

von Amelie Stein

Tabletten enthalten neben den Wirkstoffen zahlreiche Hilfsstoffe, die verschiedene Funktionen erfüllen. Sie sollen nicht nur die Handhabung für Patienten erleichtern, sondern unter anderem auch für eine schnelle Herstellung, eine gute Stabilität, einen angenehmen Geschmack und eine ausreichende Bioverfügbarkeit sorgen. Aber sind sie wirklich immer notwendig? Oder kann man sie ggf. durch bessere Alternativen ersetzen?

Welche Funktionen haben Hilfsstoffe in Tabletten?

Laktose und Stärke beispielsweise werden bei Tabletten überwiegend als Füllstoffe eingesetzt, um die Masse zu erhöhen und Wirkstoffe überhaupt in eine Tablettenform bringen zu können. Manche Hilfsstoffe wie Stärke können mehrere Funktionen erfüllen. Stärke dient beispielsweise auch als Zerfallsmittel, damit die Wirkstoffe aus der Tablette freigesetzt und besser aus dem Verdauungstrakt ins Blut aufgenommen werden können.

Darüber hinaus werden auch geschmackskorrigierende Hilfsstoffe wie Saccharin, ein synthetischer Süßstoff, eingesetzt. Ein Beispiel für ein Gleit- und Schmiermittel ist Magnesiumstearat. Der Hilfsstoff verbessert die Gleitfähigkeit und sorgt dafür, dass die Maschinenoberflächen während der Produktion nicht verkleben.

Problematische Hilfsstoffe

Manche Hilfsstoffe werden allerdings als problematisch angesehen, vor allem diejenigen, die im Überzug von Filmtabletten vorkommen. Hierzu zählt auch der Weißmacher Titandioxid (E171), dessen Einsatz kontrovers diskutiert wird. Zu finden ist Titandioxid auch in Lebensmitteln, Kosmetika sowie Farben und Papieren.

Einer Stellungnahme des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR, 2020) zufolge stuft die EU-Kommission pulverförmiges Titandioxid als „vermutlich krebserzeugend bei Inhalation“ ein. Für die orale oder dermale Aufnahme des Hilfsstoffes, also über den Mund oder die Haut, bleibt die Studienlage ungeklärt – was nicht unbedingt beruhigend ist.

Ein anderes Problem könnten Kunststoffe in Tabletten darstellen, deren Wirkung als Fremdstoffe im menschlichen Körper bisher wenig erforscht ist. Der Hilfsstoff Povidon, der zum Beispiel in Eisentabletten als Bindemittel enthalten ist, zählt zu den Kunststoffpolymeren. Ein weiterer Hilfsstoff, der als Ausgangsstoff für die Kunststoffherstellung verwendet wird, ist die Methacrylsäure. Sie ist beispielsweise in Medikamenten enthalten, die bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen zum Einsatz kommen.

Andere bedenkliche Hilfsstoffe sind Bindemittel in Form von Macrogolen, die zu den Polyethylenglycolen (PEG) zählen. Sie werden unter anderem für die Herstellung eines Überzugs von Filmtabletten verwendet. Bekannte Nebenwirkungen auf diese Hilfsstoffe sind diverse Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Blähungen und Durchfall sowie allergische Reaktionen. Da Macrogole in der Zusammensetzung vieler Filmtabletten vorkommen, stellt sich die Frage, ob ihre Verwendung in Anbetracht der möglichen Begleiterscheinungen wirklich notwendig ist.

Unnötige Hilfsstoffe meiden und auf ungefährliche Alternativen setzen

Um unerwünschte Reaktionen bei Patienten auf Hilfsstoffe zu vermeiden, sollten Hersteller von Tabletten deren Einsatz auf das Nötigste reduzieren und bei Bedarf auf unbedenkliche und möglichst natürliche Stoffe zurückgreifen.

Ein vielfach verwendeter Hilfsstoff ist beispielsweise Cellulose, der natürliche Hauptbestandteil in Zellwänden von Pflanzen. Cellulose dient als Füllstoff um Wirkstoffe in einer Tablettenform zu binden.

Wir bei Dr. Jacob‘s achten generell darauf, bei unseren Produkten so wenige und so natürliche Hilfsstoffe wie möglich einzusetzen – selbstverständlich auch bei den Produkten in Tablettenform. Daher verwenden wir nur Hilfsstoffe, deren Unschädlichkeit gut belegt ist, wie Kieselerde/Siliciumdioxid (kein Nano-Siliciumdioxid), Magnesiumstearat (Magnesium und die natürliche Fettsäure Stearin aus Pflanzenöl) und Cellulose. Dies kann dazu führen, dass die Tabletten nicht immer die gleichen Eigenschaften aufweisen wie klassische Pharmatabletten. So verzichten wir beispielsweise auf ungesunde Hilfsstoffe zur Glättung der Oberfläche, die das Schlucken erleichtern sollen. Schlucken Sie die Tabletten am besten mit einem großen Glas Wasser – so tun Sie Ihrem Körper noch zusätzlich etwas Gutes!

Quellen:

BfR Bundesinstitut für Risikobewertung (2020): Titandioxid: Es besteht noch Forschungsbedarf.https://www.bfr.bund.de/de/titandioxid__es_besteht_noch_forschungsbedarf-240812.html (Abgerufen am 05.02.2021).

 

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