Magnesiumstearat: Sicherheit, Einsatz und wissenschaftliche Einordnung

Bei dem Inhaltsstoff „Magnesiumsalze von Speisefettsäuren“, der in einigen Nahrungsergänzungsmitteln enthalten ist, handelt es sich um Magnesiumstearat. Es wird als Trennmittel eingesetzt: Es hilft dabei, das Zusammenkleben von Tabletten oder Hartkapseln während der Herstellung zu verhindern. Magnesiumstearat ist damit ein technologischer Hilfsstoff in der Lebensmittelproduktion.
Magnesiumstearat besteht aus bekannten Nahrungsbestandteilen
Magnesiumstearat ist ein Magnesiumsalz der Stearinsäure. Es besteht überwiegend (zu 96 %) aus Stearinsäure; Magnesium macht nur einen kleinen Anteil aus (4 %). Beide Bestandteile kommen natürlicherweise in der Ernährung vor: Stearinsäure ist Bestandteil zahlreicher tierischer und pflanzlicher Fette, Magnesium findet sich beispielsweise in Getreideprodukten, Nüssen und Hülsenfrüchten.
Magnesiumstearat ist strukturell ein einfaches Salz, das aus einem Magnesium-Ion und der Fettsäure Stearinsäure gebildet wird. Sobald diese Verbindung in das stark saure Milieu des Magens gelangt, sorgt die dortige Magensäure (Salzsäure) dafür, dass das Salz vollständig dissoziiert – sich also in freies Magnesium und die Fettsäure Stearinsäure aufspaltet. Dieser Vorgang folgt grundlegenden chemischen Gesetzmäßigkeiten.
Der Körper zerlegt also Magnesiumstearat im Verdauungstrakt in natürliche Fettsäuren und Magnesium und verstoffwechselt diese anschließend ganz normal wie gewöhnliche Nahrungsbestandteile.
Der menschliche Verdauungstrakt mit seinen Säuren, Gallensäften und Enzymen ist bestens darauf ausgelegt, solche Fette effektiv aufzuspalten und zu verdauen. Es entsteht daher auch kein Biofilm, wie gerne behauptet wird.
Sicherheit und rechtliche Einordnung
Magnesiumstearat ist ein sicherer Rohstoff und gilt allgemein als gesundheitlich unbedenklich. Es gibt keine wissenschaftlichen Daten, die eine Schädlichkeit bei normaler Aufnahme zeigen und somit gegen die Verwendung von Magnesiumstearat in Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln sprechen.
Magnesiumsalze von Speisefettsäuren sind in der Europäischen Union als Lebensmittelzusatzstoff E 470b zugelassen. Sie dürfen in den jeweils zugelassenen Lebensmittelkategorien nach dem Prinzip quantum satis eingesetzt werden – also in der Menge, die technisch erforderlich ist, um die gewünschte Wirkung zu erzielen.
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat die Salze von Speisefettsäuren, einschließlich Magnesiumsalze von Speisefettsäuren (E 470b), 2018 erneut bewertet. Die EFSA kam zu dem Ergebnis, dass bei den berichteten Verwendungen und Einsatzmengen keine Sicherheitsbedenken bestehen. Ein zahlenmäßiger ADI-Wert (Acceptable Daily Intake) – also ein Höchstwert für die tägliche Aufnahme – wurde nicht festgelegt. Auch die U.S. Food and Drug Administration (FDA), die Lebensmittelüberwachungsbehörde der USA, stuft Magnesiumstearat als sicher ein.
Die großen Gesundheits- und Lebensmittelbehörden wie die EFSA und die FDA stützen ihre Einstufung von Magnesiumstearat als gesundheitlich unbedenklich explizit auf den oben beschriebenen, nachgewiesenen natürlichen Abbauprozess im Körper.
In Nahrungsergänzungsmitteln wird Magnesiumstearat üblicherweise nur in kleinen Mengen – häufig im Milligrammbereich pro Tablette oder Kapsel – verwendet. Dr. Jacob’s Basentabletten enthalten beispielsweise pro Tagesportion von acht Tabletten 80 mg Magnesiumstearat, also 0,08 g. Dabei verwenden wir nur ungehärtete, pflanzliche Stearinsäure.
Warum Magnesiumstearat dennoch in Kritik geraten ist
Die Kritik an Magnesiumstearat beruht häufig auf einer Fehlinterpretation von Studien und der unzutreffenden Übertragung von Labor- und Tierstudien auf die übliche Aufnahme durch Menschen.
Besonders im Internet werden dabei Studien zu Stearinsäure und Magnesiumstearat vermischt, obwohl es sich um unterschiedliche Substanzen und Untersuchungsbedingungen handelt.
Eine häufig zitierte Laborstudie aus den 1990er-Jahren untersuchte isolierte Maus-T-Zellen, die unmittelbar mit Stearinsäure in Kontakt gebracht wurden. Solche in-vitro-Versuche können Hinweise auf zelluläre Vorgänge liefern, lassen sich jedoch nicht direkt auf die Verdauung, den Stoffwechsel und die üblichen Verzehrmengen beim Menschen übertragen. Insbesondere untersuchte diese Studie nicht die normale Aufnahme geringer Mengen Magnesiumstearat aus Tabletten oder Kapseln.
Auch eine Tierstudie von Søndergaard und Kollegen aus dem Jahr 1980 wird im Zusammenhang mit Magnesiumstearat genannt. In dieser Studie bekamen Ratten das 1000-Fache dessen an Magnesiumstearat, was in Nahrungsergänzungsmitteln üblicherweise enthalten ist. Sie erhielten Futter mit sehr hohen Anteilen an Magnesiumstearat – bis zu 20 % der Nahrung. Bei einem Anteil von 5 % wurden keine physiologischen Effekte beobachtet; diese Menge war demnach unbedenklich. Bei höheren Mengen wurden Auswirkungen beschrieben, die nicht schwerwiegend waren. Diese extremen Futterkonzentrationen sind nicht mit den kleinen Mengen vergleichbar, die als Trennmittel in Nahrungsergänzungsmitteln eingesetzt werden.
Aus diesen Studien lässt sich daher keine gesundheitliche Gefahr durch die übliche Verwendung von Magnesiumstearat in Lebensmitteln oder Nahrungsergänzungsmitteln ableiten.
Marketinginteressen verbreiten Halbwahrheiten über Magnesiumstearat
Objektiv ist es ein Rätsel, wie solche absurden Fehldeutungen von Studien zustande kommen können. Doch wie bei allem, was populär wird, verstecken sich dahinter klare Geschäftsinteressen: Bestimmte Anbieter von Nahrungsergänzungsmitteln haben aufgrund von Umfragen „clean label“ als eine gute Möglichkeit identifiziert, sich von der Konkurrenz zu unterscheiden. Da es jedoch keine echten Fakten gegen Magnesiumstearat gibt, werden eigene Fakten geteilt – meist über „Ratgeber“, Websites und Influencer. Wenn eine Lüge oft genug wiederholt wird, wird sie nicht mehr hinterfragt, sondern einfach für wahr genommen.
Fazit
Magnesiumstearat ist ein zugelassener Lebensmittelzusatzstoff, der in Dr. Jacob’s Produkten als Trennmittel in technisch notwendigen, geringen Mengen eingesetzt wird. Die EFSA hat bei den bewerteten Verwendungen keine Sicherheitsbedenken festgestellt. Behauptungen, Magnesiumstearat unterdrücke das Immunsystem, bilde einen „Biofilm“ oder blockiere die Nährstoffaufnahme, sind durch die verfügbare Evidenz für die übliche Aufnahme aus Nahrungsergänzungsmitteln nicht belegt.
Literatur
- EFSA Panel on Food Additives and Nutrient Sources added to Food (ANS). Re-evaluation of sodium, potassium and calcium salts of fatty acids (E 470a) and magnesium salts of fatty acids (E 470b) as food additives. EFSA Journal. 2018;16(3):5180. https://doi.org/10.2903/j.efsa.2018.5180
- Europäische Kommission: Verordnung (EG) Nr. 1333/2008 über Lebensmittelzusatzstoffe.
- Søndergaard D, Meyer O, Würtzen G. Magnesium stearate given perorally to rats. A short term study. Toxicology. 1980;17(1):51–55.
- Tebbey PW, Buttke TM. Molecular basis for the immunosuppressive action of stearic acid on T cells. Immunology. 1990;70(3):379-384.
