Besonders viel Aluminium in Grüntee, Schwarztee und Matcha

Aluminium lauert nicht nur in Laugengebäck und Deo

von Harald Wolf

Aluminium ist nicht nur in vielen Deos enthalten, sondern allgegenwärtig. Aluminium kommt natürlicherweise in unterschiedlichen Mengen in Lebensmitteln vor, wird ihnen über Zusatzstoffe zugesetzt und kann durch Verarbeitung und Verpackung (wie die beliebte Alufolie im Haushalt) auf Lebensmittel übergehen [1]. Aluminium kann vor allem bei sauren Flüssigkeiten in das Lebensmittel übergehen. Dies war lange bei Apfelsaft der Fall, der in in Alutanks gelagert wurde. Zum Glück ist dies zumindest in Deutschland inzwischen verboten.

Einen besonders hohen Aluminiumgehalt haben beispielsweise Spinat, Laugengebäck, Kakao und Tee. Spinat enthält etwa 8 mg Aluminium pro kg (8 ppm). Ein Erwachsener nimmt wöchentlich 0,2-1,5 mg Aluminium pro Kilogramm Körpergewicht mit der Nahrung auf  [1]; [2]; [3].

Die von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) festgelegte tolerierbare wöchentliche Aufnahmemenge für Aluminium aus der Nahrung liegt bei 1 mg Aluminium je Kilogramm Körpergewicht [2]. Bei einem Körpergewicht von 60 kg entspricht dies beispielsweise 60 mg Aluminium pro Woche. Die tatsächliche Aluminiumaufnahme aus Lebensmitteln liegt demnach nicht selten über dieser empfohlenen Höchstmenge.

Aluminiumgehalt von Grüntee und Schwarztee

Getrocknete Teeblätter haben natürlicherweise den höchsten Aluminium-Gehalt aller Lebensmittel, denn die Teepflanze reichert Aluminium aus dem Boden an. Teeblätter enthalten durchschnittlich 1340 mg/kg (1340 ppm) Aluminium, bei alten Blättern kann der Wert jedoch bis zu 8000 mg/kg (8000 ppm) erreichen  [4]; [5] – das Tausendfache von Spinat. Sowohl grüner als auch schwarzer Tee enthalten daher große Mengen an Aluminium.

Der Aluminiumgehalt von Teeaufgüssen liegt laut Untersuchungen mit 1-8 mg Aluminium pro Liter Tee (1-8 ppm) deutlich niedriger, der durchschnittliche Gehalt beträgt etwa 3 mg/l (3 ppm) [6]; [7]. Dennoch lässt sich mit einem Liter Grüntee am Tag der Grenzwert für die maximale Aluminium-Zufuhr erreichen. Dabei ist Tee nur eine von vielen Aluminiumquellen im Alltag.

Matcha - Superfood oder Super-Aluminiumschleuder?

Besonders problematisch ist der Aluminiumgehalt von Matcha, einer besonders teuren Grünteeart. Denn Matcha wird nicht als Teeaufguss verzehrt, sondern die in Wasser gelösten, getrockneten, zu Pulver vermahlenen Teeblätter. Eine Tasse Matcha (100 ml, zubereitet mit 2 g Matcha) kann somit bis zu 16 mg Aluminium enthalten. Bereits mit vier kleinen Tassen Matcha pro Woche kann der Grenzwert für Aluminium überschritten werden!

Aluminium aus Tee ist bioverfügbar

Entgegen häufiger Behauptungen ist das Aluminium aus Tee übrigens ebenso bioverfügbar wie aus anderen Lebensmitteln und wird vom Körper aufgenommen. Teekonsum steigerte in mehreren Studien deutlich messbar die Aluminiumausscheidung über den Urin, was auf die Aluminiumaufnahme aus dem Tee schließen lässt [6].

Die Bioverfügbarkeit von Aluminium aus Tee erreichte im Tierversuch durchschnittlich 0,37 % und war damit höher als aus Wasser (0,3 %) und anderen Lebensmitteln [8].

Kann man Grüntee oder Schwarztee überhaupt noch trinken?

Es ist wie immer eine Mengenfrage. So schadet ab und zu eine Tasse Grün- oder Schwarztee sicher nicht. Wer aber jeden Tag einen Liter davon trinkt, kann beachtliche Mengen Aluminium aufnehmen. Da der Aluminiumgehalt bei Grüntee und Schwarztee normalerweise nicht angegeben ist und aluminiumarme Sorten selten sind, birgt der Verzehr immer ein Risiko. Es stellt sich die Frage, ob die vielfältigen gesundheitlich positiven Wirkungen des Grüntees durch den hohen Aluminiumgehalt nicht aufgehoben werden. Personen mit eingeschränkter Nierenfunktion sollten ganz besonders darauf achten, nicht zu viel Aluminium aufzunehmen, da hier die Ausscheidung beeinträchtigt ist.

Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kauft einen Grüntee mit nachweislich niedrigem Aluminiumgehalt oder steigt auf andere gesunde Teealternativen um, z.B. Rooibos oder heimische Kräuter wie Brennnessel, Fenchel, Kamille oder Melisse.

Literatur:

  1. BfR (Bundesinstitut für Risikobewertung) (2017): Fragen und Antworten zu Aluminium in Lebensmitteln und verbrauchernahen Produkten. https://www.bfr.bund.de/cm/343/fragen-und-antworten-zu-aluminium-in-lebensmitteln-und-verbrauchernahen-produkten.pdf (abgerufen am 09.10.2018)
  2. EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) (2008): EFSA-Beratung zur Sicherheit von Aluminium in Lebensmitteln. https://www.efsa.europa.eu/de/press/news/080715 (abgerufen am 09.10.2018)
  3. Lindtner O, Sommerfeld C, Gürtel R (2014): Wie viel Aluminium nehmen wir über Lebensmittel auf? 15. BfR-Forum Verbraucherschutz. https://mobil.bfr.bund.de/cm/343/wie-viel-aluminium-nehmen-wir-ueber-lebensmittel-auf.pdf (abgerufen am 18.10.2018)
  4. Street R, Drábek O, Száková J, Mládková L (2007): Total content and speciation of aluminium in tea leaves and tea infusions. Food Chemistry; 104: 1662–1669.
  5. Xie ZM, Ye ZH, Wong MH (2001): Distribution characteristics of fluoride and aluminum in soil profiles of an abandoned tea plantation and their uptake by six woody species. Environ Int; 26(5-6): 341-346.
  6. Flaten TP (2002): Aluminium in tea – concentrations, speciation and bioavailability. Coordination Chemistry Reviews; 228: 385-395.
  7. Straub I, Ruge W (2009): Aluminiumgehalte in Teeaufgüssen. http://www.ua-bw.de/pub/beitrag.asp?subid=2&ID=1221 (abgerufen am 09.10.2018)
  8. Yokel RA, Florence RL (2008): Aluminum bioavailability from tea infusion. Food Chem Toxicol; 46(12): 3659-3663.

 

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